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Dem Baby die Flasche geben: Eine Hebamme beantwortet die wichtigsten Fragen
Lesedauer: 9 min
Fläschchenzeit

Dem Baby die Flasche geben: Eine Hebamme beantwortet die wichtigsten Fragen

Stillen ist das Allerbeste für den Nachwuchs. Aber manchmal klappt es nicht oder die Mama möchte abgepumpte Muttermilch füttern. Doch dem Baby die Flasche zu geben, ist für frischgebackene Eltern fast eine eigene Wissenschaft. Eine Hebamme beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt Tipps, was Eltern tun können, wenn das Baby die Flasche verweigert.
Die Hebamme Sarah Brumen leitet die Landesgeschäftsstelle Tirol des Österreichischen Hebammengremiums. Zudem ist sie in der Elternberatung tätig.

Kann man ein Baby mit der Flasche überfüttern?

Solange Muttermilch (oder Prenahrung) nach Bedarf gegeben wird, kann ein Baby mit der Flasche nicht überfüttert werden. Meist verlangen Babys im ersten Lebensjahr alle zwei bis drei Stunden nach Nahrung. Aber bitte stellen Sie sich keinen Wecker, denn Ihr Baby zeigt Ihnen schon, wenn es Hunger hat. Außerdem sind Kinder, die eine Flasche bekommen, manchmal länger satt. Sie sollten Ihr Kind also immer dann füttern, wenn es Ihnen Signale sendet.

Hungersignale können wie folgt aussehen:

  • Unruhe
  • Suche nach der Brust (Kopf wird hin und her gedreht)
  • Schmatzen, Nuckeln an Händen und Füßen, Zunge rausstrecken
  • Schreien und Weinen

Viele dieser Signale können aber auch auf eine volle Windel, Blähungen usw. hindeuten. Seien Sie also nicht frustriert, wenn Sie zu Beginn manches vielleicht falsch deuten. Mit der Zeit werden Sie Ihr Baby immer besser verstehen können.

In welcher Position soll man dem Baby die Flasche geben?

Eine gute Sitzposition von Eltern und Baby bringt mehr Komfort. Setzen Sie sich daher auf einen bequemen Sessel, zum Beispiel mit Armlehne, oder auf eine Couch und legen Sie sich, je nach Bedarf, ein Stillkissen unter den Arm. Halten Sie Ihr Baby beim Flasche-Geben in einer leicht sitzenden Position und achten Sie darauf, dass sein Kopf in Ihrem Ellenbogen ruht.

Während es für ein Baby beim Stillen kein Problem darstellt, am Rücken zu liegen, ist es beim Füttern sinnvoll, wenn der Kopf etwas höher liegt als der Körper. Da die Nahrung aus dem Fläschchen schneller und unkontrollierter fließt als aus der Brust, ist die Gefahr, dass sich Ihr Kind sonst verschluckt, größer.

Suchen Sie außerdem Blickkontakt zu Ihrem Kind, um auf diesem Weg besser mit ihm kommunizieren und schneller auf seine Bedürfnisse reagieren zu können. Gerne auch einmal die Seite wechseln und das Baby im anderen Arm halten. Wichtig ist, dass Sie eine Position finden, in der Sie beide eine Zeitlang verharren können.

Sollen beim Füttern Pausen gemacht werden?

Prinzipiell müssen keine Pausen einlegt werden. Wenn das Baby unruhig wird, sich verschluckt oder ein Bäuerchen machen muss, ist es sinnvoll, den Unterdruck beim Sauger vorsichtig mit dem Finger zu lösen und kurz abzusetzen. Wenn das Kind aufgestoßen hat und wieder ruhig ist, kann, falls es noch Hunger hat, weitergefüttert werden.

Wer sollte dem Baby die Flasche geben dürfen?

Fläschchen sollten vor allem von den Hauptbezugspersonen gegeben werden. In erster Linie sind das die Eltern. Es können aber natürlich auch Familienmitglieder oder Freunde enge Bezugspersonen sein. Wichtig ist: so wenig Wechsel wie möglich.

Was tun, wenn das gestillte Baby die Flasche verweigert?

Achten Sie in erster Linie darauf, dass Sie einen passenden Sauger verwenden, der der Brust ähnlich ist. Manchmal muss man sich durch die Sauger testen, weil auch Babys ihre Favoriten haben.

Die Devise lautet: Nicht aufgeben! Babys haben schon früh Gewohnheiten, und wenn das Baby die Brust gewohnt ist, möchte es sich nicht so schnell umstellen. Versuchen Sie vor jeder Stillmahlzeit erstmal, dem Baby die Flasche zu geben. Schauen Sie, dass schon etwas Muttermilch am Sauger ist, und benetzen Sie damit die Lippen des Babys, damit es merkt, dass aus der Flasche etwas Vertrautes kommt. Wie beim Stillen ist es sehr wichtig, engen Hautkontakt aufzubauen. Gehen Sie in eine Position, die Sie genauso beim Stillen einnehmen würden, und nehmen Sie viel Körper- und Blickkontakt auf. Manchmal ist es am Anfang auch einfacher, wenn der Partner/die Partnerin die ersten paar Fläschchen gibt, damit sich das Kind an den Sauger gewöhnen kann. Aber bleiben Sie anfangs immer dabei, damit Ihr Baby Sie in der Nähe weiß.

Was tun, wenn das Baby beim Flasche-Geben schreit?

Für die Eltern ist es eine Qual, wenn das Baby beim Flasche-Geben schreit. Vor allem, weil es oft gar nicht so einfach ist, die Ursache zu erkennen. Mögliche Gründe können sein:

  • Zu heiße Milch: Das Baby schreit gleich von Beginn an. Achtung: Es besteht Verbrennungsgefahr! Deshalb sollte immer die Temperatur vorab überprüft werden.
  • Unangenehmer Milchfluss: Es kommt zu viel oder zu wenig Milch aus dem Fläschchen. Probieren Sie einen anderen Sauger aus.
  • Bauchschmerzen und Blähungen: Wenn das Baby erst nach dem Trinken schreit, kann es sein, dass es zu viel Luft geschluckt hat und deshalb unter Blähungen leidet.
  • Erkrankungen: In seltenen Fällen kann auch eine Erkrankung schuld am Schreien des Babys sein. Wenn sich die Situation nicht bessert oder Sie sich Sorgen machen, zögern Sie nicht, Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt zu konsultieren.


Wie wird es leichter, nachts dem Baby die Flasche zu geben?

Guter Schlaf ist Eltern heilig! Um in der Nacht Zeit zu sparen, kann das Pulver bereits abends fertig portioniert werden und jeweils in einer Flasche abgekochtes, kaltes und heißes Wasser in der Thermoskanne in der Nähe bereitgestellt werden. Das richtige Mischverhältnis haben Eltern schnell raus. Wenn dann der große Hunger kommt, müssen die Zutaten bloß noch vermengt werden und fertig ist die Mahlzeit.

Auch um nachts im Halbschlaf die richtige Temperatur des Fläschchens zu messen, gibt es einen simplen Trick: Die Milch sollte ca. 37 Grad warm sein – ungefähr so wie die Haut am Handgelenk. Lassen Sie daher ein paar Tropfen über Ihr Handgelenk laufen. Wenn Sie keinen Temperaturunterschied bemerken, können Sie bedenkenlos Ihrem Baby die Flasche geben. Zudem gibt es spezielle Flaschen, welche die Farbe wechseln, wenn der Inhalt zu heiß ist. Sie können aber auch ein kleines Küchenthermometer nutzen.

Bis wann „darf“ man nachts dem Baby die Flasche geben?

Spätestens ab dem sechsten Monat sollte die Beikost eingeführt werden. Ab dann bekommen Babys auch Wasser zu trinken. Es ist daher der passende Zeitpunkt, um den Nachwuchs langsam vom nächtlichen Fläschchen zu entwöhnen – vor allem dann, wenn der Abendbrei gut gegessen wird. Versuchen Sie zumindest, nachts immer zuerst etwas Wasser zu geben.

Allerdings essen viele Babys zu dem Zeitpunkt untertags noch nicht ausreichend Kalorien. Auch Umstände wie Wachstum, Infekte oder Entwicklungsschübe können ein Entwöhnen hinauszögern. Natürlich darf auch mal eine nächtliche Flasche gegeben werden. Eltern sollten immer auf die Bedürfnisse ihres Kindes achten und sich nicht unter Druck setzen.

Was muss ich bei der Aufbewahrung von Muttermilch beachten?

Die Muttermilch sollte in ein steriles Gefäß abgepumpt und auch in einem sterilen Gefäß oder Muttermilchbeutel aufbewahrt werden. Die Milch sollte möglichst schnell kühl gelagert werden. Sollte sie innerhalb der nächsten 24 Stunden nach dem Abpumpen nicht verfüttert werden, kann man die Muttermilch bedenkenlos einfrieren und später auftauen. Sollten Sie doch mal die Milch im Kühlschrank vergessen haben, bitte nicht mehr verfüttern! Man kann sie aber fürs Babybad ins Badewasser geben – das sorgt für eine geschmeidige Haut, und die wertvolle Muttermilch wird so nicht verschwendet.

Wie kann ich unterwegs abgepumpte Milch verfüttern?

Nehmen Sie die Muttermilch schon portioniert mit. Entweder Sie füllen sie schon in Fläschchen ein oder Sie nehmen sie in Muttermilchbeuteln mit. Hier ist wichtig, die Milch in Kühltaschen zu transportieren, weil Muttermilch nicht länger als zwei Stunden bei Raumtemperatur gelagert werden sollte. Sie können die Milch unter heißem Wasser wärmen. Dafür einfach unter heißes Wasser halten und immer leicht in Bewegung halten. Dann mit dem Handgelenkstest die Temperatur testen: Lassen Sie ein paar Tropfen über Ihr Handgelenk laufen. Wenn Sie keinen Temperaturunterschied bemerken, können Sie Ihrem Baby die Flasche geben.

Wie kann man das Fläschchen unterwegs zubereiten?

Ähnlich wie beim Fläschchen für die Nacht gilt auch hier: Vorbereitung ist alles. Zur Sicherheit immer zwei sterilisierte Fläschchen mit abgekochtem Wasser und extra abgekochtes, heißes Wasser in einer Thermoskanne einpacken. Für die richtige Menge an Milchpulver eignen sich dafür vorgesehene Portionierer. Unterwegs dann einfach alles zusammenmischen.

Lesen Sie hier, was Sie beim Reisen mit Baby und Kleinkind beachten sollten.

Wie lange darf man dem Baby die Flasche geben?

Wie beim Stillen gibt es auch beim Fläschchengeben keine fixen Regeln, wann man damit aufhören soll. Empfohlen wird, das Baby ab dem zehnten bzw. zwölften Monat langsam zu entwöhnen. Machen Sie sich aber keinen Stress und hören Sie auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes und auf Ihre eigenen.

Allgemein ist das Thema Fläschchen-Geben für viele Mütter mit Schuldgefühlen und Druck verbunden. Die meisten Mamas wollen stillen, was aber nicht bei allen möglich ist. Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass man nicht weniger für sein Kind da ist, wenn man es mit der Flasche füttert. Mütter, die dem Baby die Flasche geben, können genauso eine tiefe Bindung aufbauen. Es ist auch möglich, dem Baby abgepumpte Muttermilch in der Flasche zu geben. Wenn Sie professionelle Beratung benötigen, wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt bzw. an Ihre Hebamme.

Muss man die Saugergröße mit steigendem Lebensalter wechseln?

Das ist nicht notwendig, da sich ja auch beim Stillen weder die Größe der Brust noch die Brustwarze verändert oder die Muttermilch schneller fließt. Wer seinem Baby die Flasche geben will, kann daher bei der kleinsten Saugergröße bleiben.


Muss man auch bei älteren Babys die Sauger sterilisieren?

Ja, Flasche und Sauger sollten immer sterilisiert werden, da sich Bakterien in feuchten und warmen Umgebungen sehr wohlfühlen und sich darin schnell vermehren könnten. Aus demselben Grund muss zubereitete Muttermilch-Ersatznahrung immer sofort verfüttert werden und darf nicht aufgehoben werden.


Wie lässt sich Mikroplastik im Fläschchen vermeiden?

Studien haben gezeigt, dass ein Baby täglich rund 1,6 Millionen Mikroplastikpartikel über sein Fläschchen aufnimmt. Das meiste Mikroplastik wird beim Einfüllen von heißem Wasser und beim Aufschütteln des Milchpulvers freigesetzt. Es empfiehlt sich daher, Glasflaschen zu nutzen oder die Nahrung in einem Extra-Behälter zuzubereiten und dann bloß in das Fläschchen umzufüllen. Dieses sollte nach jedem Sterilisieren mindestens dreimal ausgewaschen werden.


Brauchen Fläschchen-Babys einen Schnuller?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Jedes Baby ist verschieden. Wie auch Stillkinder brauchen manche Babys Schnuller zur Beruhigung und andere nicht. Schnuller sollten immer nur therapeutisch eingesetzt werden. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Baby möchte in aufregenden Situationen immer an die Brust oder verlangt nach dem Fläschchen, kann ein Schnuller zur Beruhigung angeboten werden.
Er ist Seelentröster, Einschlafhelfer und Beruhigungswunder – lesen Sie hier, wie Sie den Schnuller richtig reinigen und pflegen.

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